n.4 Behalte dein Geld, du brauchst es mehr als ich
Wie ein verpasster Zug in Salzburg und eine alte Diogenes-Geschichte zeigen, was Annehmen wirklich bedeutet.
Guten Morgen liebe:r Leser:in,
ich komme gerade von einem extrem windigen Morgenspaziergang mit unserem Hund Kion zurück und wünsche mir, unser Wind wäre so heilsam wie der auf Eydernon, damit mein Husten so schnell wie möglich in Luft aufgelöst wird!
Die Magie der Geschichten. Letzte Woche haben Miri und ich viele Stunden damit verbracht, Texte von Walter Moers und Jorge Bucay zu lesen und zu hören, und waren tief fasziniert von ihrer Erzählkunst. Seit meiner Kindheit gibt es für mich kaum etwas Erfüllenderes, als einer guten Geschichte zu lauschen und im wahrsten Sinne des Wortes verzaubert zu werden. Und weil diese emotionale Aktivierung der beste Nährboden für kognitive Lernprozesse ist, bleiben Geschichten auch unglaublich gut in unserem Gedächtnis und Denksystem haften.
Aus diesem und vielen anderen Gründen liegt mir die Geschichte hinter unserem Spiel Insighttopia so am Herzen. Das deckt sich auch mit dem Feedback vieler Tester:innen, die oft noch tiefer in die Story eintauchen wollten. Deshalb arbeite ich gerade daran, einen erzählerischen Einstieg und Ausstieg für die Insighttopia-Spielrunde zu gestalten. Die genaue Form und Funktion behalte ich vorerst noch für mich. Nur so viel steht fest: Wer gerne liest und eine Schwäche für Fantasy und Prosa hat, wird sich freuen – diesmal geht es nicht darum, der eigenen Realität in ein fremdes Land zu entfliehen, sondern die spannendsten Alternativen zur eigenen Realität in einer „verkehrt herum" gedrehten Welt zu erkunden.
„Kindern erzählt man Geschichten, um sie zum Einschlafen zu bringen – Erwachsenen erzählt man Geschichten, um sie aufzuwecken." – J. Bucay
Außerdem 👻: Wir sind vom 15.–16. Juni auf dem Spielefest in Wien und freuen uns riesig darauf, euch dort zu treffen, gemeinsam Insighttopia zu spielen und eine schöne Zeit zu haben.
Playful Practice 😜: Annehmen statt resignieren
Letzte Woche war ich mit Miri im Urlaub in Neapel. Unser Zug hatte so massive Verspätung, dass wir von Salzburg nach Wien ein Taxi nehmen mussten. Zugegeben, das war keine leichte Entscheidung, aber ich war erstaunt, wie schnell wir uns mit der Situation angefreundet haben. Das Taxi war kuschelig, der Urlaub gerettet und das Reisebudget gesprengt. Und wie ging es uns dabei? Wir hatten die Entscheidung schon getroffen und waren gut damit – Fall abgeschlossen, der Urlaub konnte kommen. Für mich würde Resignieren bedeuten, nicht im Flow zu bleiben, das Taxi vielleicht gar nicht zu nehmen, und wenn doch, dann nur, um sich danach weiter zu quälen, sich eher als Opfer denn als Handelnde:r zu erleben.
In seinem Buch „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte" spricht Bucay davon, wie sehr sich viele Menschen darauf fixieren, was sie nicht haben. Der Satz „Wie glücklich wäre ich, wenn ich hätte, was ich noch nicht habe" basiert immer auf dem, was (noch) nicht da ist – sodass man haben kann, so viel man will, das letzte Prozent fehlt einfach immer noch, und das große, umfassende Glück steht immer noch aus …
So antwortete Diogenes, in Lumpen gekleidet, einem reichen Gönner, der ihm einen Beutel voller Münzen schenken wollte: „Hast du noch mehr davon?" Der Reiche antwortete: „Natürlich, viel mehr!" – „Und du willst nicht mehr, als du schon hast?" Der Reiche erwiderte: „Doch, sicher, ich hätte gerne mehr!" Diogenes antwortete: „Dann behalte dein Geld, denn du brauchst es mehr als ich."
Alle Liebe an dich und die Deinen 💜,
Daniel