n.9 Geh in den Wald, dort ist niemand mehr
Das Nicht-Funktionieren-Wollen, drei tektonische Verschiebungen im Spielprojekt und eine Karte, die niemand finden konnte.
Hallo ihr Lieben,
ich komme langsam zur Ruhe. Heute regnet es, und ich denke an ein Zitat, das mir der liebe Hinnerk Polenski vor ein paar Tagen als Postkarte geschickt hat:
„Geh in den Wald – dort ist niemand mehr."
Seit ich aus Norwegen zurück bin, wurde ich ziemlich schnell wieder in eine „funktionierende" Version meiner selbst hineingezogen. Gleichzeitig merke ich beim Schreiben dieser Passage, dass ich nicht funktionieren will, dass ich mich nicht an einen Zeitplan halten möchte, sondern lieber fühlen, komplett in und zwischen den Zeilen verschwinden möchte, um erst am Ende des Textes wieder aufzutauchen. Es ist dieses Präsent-Sein, das sich durch meine Arbeit zieht und auch durch die Erfahrung des Spiels Insighttopia. Stille – Bewusstheit – der nächste Schritt. Hai!
Es brodelt. Im Moment finden mehrere tektonische Verschiebungen in der Architektur des Spielprojekts parallel statt:
- Wir wagen erste Schritte auf Instagram, um unser Spiel zu den richtigen Menschen zu bringen. Falls du das Gefühl hast, dass Menschen in deinem Umfeld genauso begeistert von unserem Spiel wären wie du, nutze gerne den Moment, folge uns und teile einen Beitrag.
- Wir planen eine psychologische Studie, um den positiven Einfluss von Insighttopia auf innere und äußere Authentizität und andere positive psychologische Phänomene zu validieren. Wenn es so weit ist, wird es einen Aufruf für Testpersonen geben. Falls du jetzt schon Interesse hast, antworte einfach direkt auf diese Nachricht, und ich notiere dich.
- Feinschliff an der Spielmechanik für mehr Authentizität und Flow. Durch laufende Playtests und ein Gespräch mit einem befreundeten Therapeuten und Mentor bin ich in den letzten Tagen auf die eine oder andere Erkenntnis gestoßen. So konnte ich zum Beispiel die Symbolkarten in einem psychologischen Gruppentherapie-Kontext testen, was zu der Idee führte, mit offen statt verdeckt liegenden Symbolkarten zu spielen. Dabei werden alle Insight-Eier auf den Boden gelegt, und jede Spielerin wählt die drei Symbole aus, die ihr am meisten helfen, das Rätsel zu lösen. Eine weitere Entwicklung ist der Abschluss des Spiels mit einer Art „Sharing-Runde", in der jede:r Spieler:in die eigenen geheimen Missionen enthüllt und die eigenen Erkenntnisse und Spielerfahrungen mit den anderen teilt. Die anderen unterbrechen nicht, sondern hören einfach nur zu. Zusätzlich werden die geheimen Missionen am Beispiel der Selbstbestimmungstheorie (Deci & Ryan) und grundlegenden psychologischen Bedürfnissen ausgerichtet, um das Spielerlebnis weiter zu vertiefen und das Gefühl eines „Safe Space" zu intensivieren.
Playful Practice 😜: Lass sie dir helfen
Vor ein paar Tagen saß ich in einer Gruppentherapiesitzung nach dem Ansatz der Akzeptanz- und Commitmenttherapie. Zu Beginn der Sitzung haben wir (Insighttopia-)Karten auf dem Boden des Raums verteilt. Jede:r wählte eine Karte aus, die widerspiegelte, wie sie sich gerade fühlte, und die eine persönliche Superkraft, einen persönlichen Wert ausdrückte. Eine Frau fand keine passende Karte und zog sich auf ihren Stuhl zurück. Wir fragten sie, ob es für sie okay wäre, wenn die Gruppe ihr dabei hilft, herauszufinden, was ihr Wert, ihre Superkraft sein könnte. Sie stimmte zu, und innerhalb weniger Minuten hatte sich die zuvor verzweifelte Situation aufgehellt. Die Gruppe fand nicht nur eine Stärke, sondern gleich mehrere, und die Frau konnte sie annehmen. Die Energie im Raum stieg, und ich war fast dankbar dafür, dass die Dame keine passende Karte gefunden hatte. Sie hatte sich selbst und allen anderen damit einen Gefallen getan.
Liebe,
Daniel